Der Weg des Abfalls

Wie genau entsteht aus Abfall Strom und Wärme? Wir erläutern Ihnen diesen Vorgang am Beispiel unserer Müllverbrennungsanlage (MVA)

Was viele nicht vermuten: Abfall ist auch ein Energieträger. In der MVA Bielefeld nutzen wir das darin enthaltene Energiepotenzial zur Erzeugung von Strom, Fernwärme und Prozessdampf.

Für die Verbrennung der Abfälle stehen in der MVA Bielefeld drei Verbrennungslinien VL 1, VL 2 und VL 3, jeweils bestehend aus Müllkesselanlage, Rauchgasreinigungsanlage und Abgasschornstein zur Verfügung. Die Verbrennung von Klinikmüll erfolgt in einer Klinikmüllkesselanlage mit nachgeschaltetem Heißwasserabhitzekessel.

In den Müllkesseln erfolgt die Verbrennung im jeweiligen Feuerraum, der nach unten durch den Verbrennungsrost, an den Seiten durch die Kesselwände und nach oben durch die Kesseldecke begrenzt ist.

Wird durch die Abfallaufgabe der Verbrennungsvorgang eingeleitet, beginnt eine selbstgängige Verbrennung im Müllkessel, bei der allein die Energie im Abfall ausreicht, den Verbrennungsvorgang aufrecht zu erhalten.

Bevor die bei der Abfallverbrennung entstehenden Rauchgase abgegeben werden, durchlaufen sie eine achtstufige Rauchgasreinigung. Danach werden die gereinigten Abgase über drei 107 Meter hohe Schornsteine in die Atmosphäre abgeführt. Die Rauchgasreinigung besteht aus verschiedenen Filter- und Behandlungsstufen.



Thermische Abfallbehandlung

Thermische Abfallbehandlung

1. Anlieferung

Acht Abkippstellen und ein Sperrmüllschredder stehen für Haus- und Gewerbeabfälle bereit.

2. Müllbunker

Bis zu 20.000 m³ fasst der Müllbunker. Hier wird der Abfall bis zur Verbrennung zwischengelagert

3. Schlackebunker

Bis zu 4.000 m³ fasst der Schlackebunker. Hier wird die Schlacke bis zu ihrer Aufbereitung zwischengelagert.

4. Feuerraum

Die Verbrennung erfolgt in drei Verbrennungslinien. Auf dem Verbrennungsrost werden die Abfälle bei ca. 1.000 °C verbrannt. Was übrig bleibt, ist Schlacke.

Energieerzeugung

Energieerzeugung

5. Kessel

Jetzt wird aus Abfall Energie. Die freiwerdende Wärme aus der Abfallverbrennung erzeugt in den Kesseln 400 °C heißen Dampf bei einem Druck von 40 bar.

6. Fernwärmetauscher

Hier wird Fernwärme für die Stadt Bielefeld erzeugt.

7. Turbine mit Generator

Durch zwei Dampfturbinen mit nachgeschaltetem Generator wird aus dem Dampf der Müllkessel Strom erzeugt.

Rauchgasreinigung

Rauchgasreinigung

8. Elektrofilter I

Der überwiegende Anteil der Staubpartikel aus den Abgasen der Verbrennung wird hier abgeschieden.

9. Sprühtrockner

Das gebrauchte Wäscherwasser aus den Vor- und Hauptwäschern wird hier verdampft. Damit ist die Rauchgasreinigung der MVA abwasserfrei. Als Verdampfungsrückstand entstehen Salze

10. Elektrofilter II

Salz- und weitere Staubpartikel werden hier abgeschieden.

11. Vorwäscher

Hier werden Chlor-/Fluorwasserstoff und Quecksilberverbindungen aus dem Rauchgas herausgewaschen.

12. Hauptwäscher

Hier werden Schwefelverbindungen und weitere Schwermetalle aus dem Rauchgas herausgewaschen.

13. Aerosolabscheider

Hier werden feinste Wassertröpfchen aus dem Rauchgas abgeschieden.

14. Katalysator

Im Katalysator werden klimaschädliche Stickoxide sowie Dioxine und Furane zerstört

15. Gewebefilter

Sicherheitsfilter, der verbleibende Restschadstoffe aus dem Rauchgas abscheidet.

16. Emissionsmessung

Die Anteile an Schadstoffen im Rauchgas werden kontinuierlich gemessen und über das Internet direkt an die Aufsichtsbehörde übertragen.

17. Schornstein

In einer Höhe von 107 Metern gelangt das Reingas mit einer Temperatur von ca. 115 °C ins Freie.

Weiterhin gehören zur MVA Nebeneinrichtungen wie z. B. der Müllbunker, der Schlackebunker, die Salz- und Staubsilos, die beiden Dampfturbinen zur Stromerzeugung, die Fernwärmetauscher zur Fernwärmeabgabe, Lagereinrichtungen für Betriebsstoffe, die Werkstätten und die Verwaltung.

Mit der bei der Verbrennung des Abfalls frei werdenden Energie wird in den drei Müllkesseln der MVA Heißdampf erzeugt, der zur Stromerzeugung in den Turbinen genutzt wird.

Zur Auskopplung der erzeugten Fernwärme in das Fernwärmenetz der Stadtwerke Bielefeld GmbH stehen zwei Fernwärmetauscher zur Verfügung.

Die gewählte Technik zur Nutzung des erzeugten Wasserdampfes in der MVA nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme) stellt gegenüber anderen Techniken, die nicht nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten, eine sehr effiziente Nutzung der Energie im Abfall dar. Nicht zuletzt werden dadurch Emissionen, insbesondere an Kohlendioxid (CO2), deutlich reduziert.

Weiterhin gehören zur MVA Nebeneinrichtungen wie z.B. der Müllbunker, der Schlackebunker, die Salz- und Staubsilos, die beiden Dampfturbinen zur Stromerzeugung, die Fernwärmetauscher zur Fernwärmeabgabe, Lagereinrichtungen für Betriebsstoffe, die Werkstätten und die Verwaltung.

Mit der bei der Verbrennung des Abfalls frei werdenden Energie wird in den drei Müllkesseln der MVA Heißdampf erzeugt. Der so erzeugte Dampf wird nach dem Prinzip der Kraft‑Wärme‑Kopplung zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom über eine Turbine und Fernwärme genutzt. Zur Bereitstellung der Fernwärme wird die im Dampf enthaltene Wärmeenergie über drei Fernwärmetauscher auf das Heizwasser des Fernwärmesystems übertragen.

Die in der MVA erzeugte Fernwärme wird anschließend in das Fernwärmenetz der Stadtwerke Bielefeld GmbH eingespeist. Für dieses Wärmenetz wurden ein Kraft‑Wärme‑Kopplungsanteil von 94,9 % sowie ein Anteil von 74,3 % aus erneuerbarer Energie und unvermeidbarer Abwärme nachgewiesen. Das Fernwärmesystem erfüllt die Anforderungen an „Effiziente Fernwärme“ gemäß EU‑Energieeffizienzrichtlinie. Im Zertifizierungsverfahren nach AGFW FW 309‑6 wurde für die Fernwärmeversorgung ein CO₂‑Emissionsfaktor von 62,6 kg CO₂ je MWh Wärme ermittelt.

 

Rauchgasreinigung und Emissionsüberwachung

Unsere moderne achtstufige Rauchgasreinigung zerstört Schadstoffe und filtert diese aus dem Rauchgas heraus. Die kontinuierlichen Emissionsmessungen zeigen, dass die gesetzlichen Grenzwerte im Berichtsjahr 2025 bei allen überwachten Schadstoffen sicher eingehalten wurden. Die Jahresmittelwerte 2025 lagen je nach Parameter zwischen 74,8 % und über 99,8 % unter den geltenden Grenzwerten.

Alle Prozesse werden mit moderner Messtechnik kontinuierlich überwacht. Die Emissionswerte werden per Emissionsfernüberwachung direkt an die zuständige Behörde übermittelt sowie der Öffentlichkeit über Anzeigetafeln am Eingang der MVA Bielefeld zur Verfügung gestellt. Zudem können die Emissionsdaten als Jahresmittelwerte hier abgerufen werden.

Alle Prozesse werden mit moderner Messtechnik kontinuierlich überwacht. Die Emissionswerte werden per Emissionsfernüberwachung direkt an die zuständige Behörde übermittelt und der Öffentlichkeit am Standort zur Verfügung gestellt.
Schadstoffe Einheit Jahresmittelwerte
VL 1 – 3
Grenzwert Unterschreitung des Grenzwertes in %
Stickoxide (NOx) mg/m³ 25,16 100 74,8
Schwefeldioxid (SO2) mg/m³ 0,29 40 99,3
Kohlenmonoxid (CO) mg/m³ 6,63 50 86,7
Ammoniak (NH3) mg/m³ 0,01 4 99,8
Chlorwasserstoff (HCl) mg/m³ 0,03 8 99,6
Alle org. Kohlenwasserstoff-verbindungen (Cges) mg/m³ 0,15 10 98,5
Gesamtstaub mg/m³ 0,17 5 96,6
Fluorwasserstoff (HF) mg/m³ 0,02 0,9 97,4
Quecksilber (Hg)¹ µg/m³ 0,28 10 / 5 97,2
∑ 10 Schwermetalle
(Anl. 1 b 17.BImSchV)
µg/m³ < 0,5 300 99,8
Benzo(a)pyren (BaP) &
4 Schwermetalle

(Anl. 1 c 17.BImSchV)
µg/m³ 0,10 50 99,8
Cadmium (Cd) & Thallium (Tl) µg/m³ < 0,05 20 99,8
Dioxine & Furane (PCDD/F) (incl. Di-PCB) ng/m³ < 0,0005 0,1 99,5
¹ Der Jahresmittelwert für Quecksilber in Höhe von 5 µg/m³ gilt seit dem 4. Dezember 2025. Bis zum 4. Dezember 2025 galt ein Jahresmittelwert für Quecksilber in Höhe von 10 µg/m³. Gemäß Auslegungsfragenkatalog der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz (LAI) zur
17. BImSchV (Stand: 16. Januar 2026) ist die Einhaltung des Jahresmittelwertes erstmals für das Kalenderjahr 2026 nachzuweisen, daher wird in den folgenden Gegenüberstellungen der bisher gültige Jahresmittelwert für Quecksilber in Höhe von 10 µg/m³ zugrunde gelegt.

Nicht nur die Rauchgasreinigungsanlagen, sondern auch optimale Verbrennungsbedingungen in unseren Müllkesseln reduzieren die Emissionen. Unser Umweltmanagement ist nach DIN EN ISO 14001 zertifiziert, daneben bestehen Zertifizierungen für Qualitäts- sowie Arbeits- und Gesundheitsmanagement. Auf dieser Grundlage überprüfen wir ständig unsere Prozesse.

Alle Zertifikate dazu finden Sie in unserem Downloadbereich.

Technische Daten

MVA Bielefeld

Gesamtanlage
Inbetriebnahme 1981
Kapazität 420.000 Tonnen/Jahr
Anzahl der Verbrennungslinien 3 Linien
Speichervolumen Abfallbunker 20.000 Kubikmeter
Verbrennungskessel
Heizwertbereich des Abfalls 6-15 Megajoule/kg
Verbrennungstemperatur > 850 °C
Frischdampfdruck 40 bar
Frischdampftemperatur 385 °C
Frischdampfmenge je Linie (max.) 60 Tonnen/Stunde
Feuerungswärmeleistung je Linie 60 Megawatt
Energieerzeugung (Leistung/-abgabemenge²
Strom 46 Megawatt/ rund 166 Mio. kWh/Jahr
Fernwärme 135 Megawatt/ rund 348 Mio. kWh/Jahr
Rauchgasreinigungsanlage / je Linie
Elektrofilter I Der überwiegende Anteil der Staubpartikel aus den Abgasen der Verbrennung wird hier abgeschieden.
Sprühtrockner Das gebrauchte Wäscherwasser aus den Vor- und Hauptwäschern wird hier verdampft. Damit ist die Rauchgasreinigung der MVA abwasserfrei. Als Verdampfungsrückstand entstehen Salze.
Elektrofilter II Salz- und weitere Staubpartikel werden hier abgeschieden.
Vorwäscher Hier werden Chlor-/Fluorwasserstoff und Quecksilberverbindungen aus dem Rauchgas herausgewaschen.
Hauptwäscher Hier werden Schwefelverbindungen und weitere Schwermetalle aus dem Rauchgas herausgewaschen.
Aerosolabscheider Hier werden feinste Wassertröpfchen aus dem Rauchgas abgeschieden.
Katalysator Im Katalysator werden Luftschadstoffe wie Stickoxide sowie Dioxine und Furane aus dem Rauchgas abgebaut.
Gewebefilter Sicherheitsfilter, der verbleibende Restschadstoffe aus dem Rauchgas abscheidet.

² Durchschnittliche Energieabgabemenge 2021-2025